Wenn die Äpfel Trauer tragen...

pfarrfest

Wer Österreich pur erleben will, soll nach Waldzell fahren. Der schneidige Ort bietet alles was ein Rentner-Doppel-Herz begehren mag. Zünftiges Essen, Jopperl und ein paar Kirchenglocken aber vorallem Ruhe findet jenseits aufzwickter Dirndl-Tragödie statt.

Da mein Herz jedoch dem stoppelstolligen Motorradfahren gehört und die Abende gern rassig sein dürfen hab ich mich von dort kulturgeschockt wieder zurück gezogen, jedoch nicht ohne eine kleine Geschichte mitzubringen.

Der Regen bis Linz war fast unbewältigbar für die altersschwachen Scheibenwischer meines Passats und ich ließ mich von der Autobahn in ländliches Nieselregen-Gebiet spülen.
Kaum in der Gatsch-Hölle (eine Schottergrube und Motocross-Strecke Nähe Ried im Innkreis) angekommen, bei der jede penible Hausfrau nach Luft ringen würde, saß ich auch schon auf dem Motorrad und drehte meine Runden. Mein Hinterteil schaute zwar nach kurzer Zeit aus wie nach orientalischem Durchfall, mangels ausreichend langem Kotflügel des Wieder-Einsteiger-Spuckerls aber die Ab- und Auffahrten funktionierten problemlos.
Trotz Intervention standen plötzlich sortenweise Flaschen mit Selbstgebranntem auf dem Biertisch in der kleinen Holz-Hütte, die zum Schutz und Verpflegung der müden MX-Fahrer dient.
Das kam daher, dass Tom (Joe's Ladys-Day-Sklave) zu seiner Pizza etwas Scharfes wollte und dabei eigentlich an Tabasco dachte.

Obwohl ich wieder nach Wien fahren wollte, mietete ich mich aufgrund der Wettervorhersagen und meiner Nachtblindheit in Waldzell beim Schachinger-Wirten ein.

Die Nacht war kurz, denn die Kirchenglocken grüßten mich alsbald und ich lag wach und schaute mir den Kasperl an, der angeherrscht von schreiendem Kinderpublikum den Tintifax jagte. Das Krokodil hatte nicht viel zu sagen an diesem Sonntag.

In der Stuben, wo der nachgottesdienstliche Jägerstammtisch schon zur dritten Runde Bier ansetzte und die Krickln (Jagd-Trophäe=Schädl eines Bocks) auf der Küchenwage abgewogen wurden, hatte mir die die unglückliche Wirtin (eine zuag'raste aus Salzburg) mir ein fantastisches Früstück bereitet.
Neugierig belustigt beobachteten mich die Männer in ihren Jopperln. Ihre Blicke legten mir nahe: mehr Alien kann man auf dieser Welt nicht sein. Außer man hat zusätzlich zum Wiener Kennzeichen noch schwarze Hautfarbe und einen gelben Zylinder auf.
Die Stimmung war träge und beängstigend wie in einem Qualtinger-Film. Das einstimmig süffisante "Pfiat-Diiii", als ich den Raum verließ hallte wie ein Donnergrollen hinter mir her, als ich auf die nasse Strasse trat. Ich wußte plötzlich, dass ich hier aufs Land nie wieder hergehören wollte.
Eher noch möchte ich mit einem knappen Tank-Top bekleidet in einer orientalischen Medina schoppen gehen.

Ach ja...und das Pfarrfest ist heute in der Mehrzweckhalle!

ladysday_71
Phil Mahre - 17. August, 16:41

Goldis Helm

Eine wirklich toll geschriebene Geschichte. Nur eine Frage bleibt offen: Gibt es beim Kriegerdenkmal (oder wenigstens in der Kegelbahn) von Waldzell das Andenken an den berühmtesten Waldzeller, den Skisprung-Gott Andi Goldberger, nämlich seine Dauerwelle aus dem Herbst 1997???

tischNr2 - 17. August, 21:38

Gold-Well

Keiner will mehr an Goldi denken in Waldzell. Die Skisprung-Schanze rottet langsam vor sich hin, nichtmal die Bauernkinder trauen sich mehr daran herumzuturnen.

Die Ältäre mit güldenen Locken, Autogrammkarten und Biergläsern (deren Ränder einst Goldis Lippen berührten) sind leergeräumt und ersetzt durch abgegriffene Heiligenbilder.
teacher - 22. August, 20:22

Pfarrfest in Waldzell, da muss ich auch hin :-)
Danke für den Tipp.

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